Mit Assistenzhund in den Urlaub: Was Hotels und Gastgeber dürfen
Ein Assistenzhund darf mit in das Hotel und in die Ferienwohnung, auch wenn dort sonst keine Hunde erlaubt sind. So steht es seit Juli 2021 in § 12e des Behindertengleichstellungsgesetzes. Ablehnen darf ein Gastgeber nur, wenn ihn der Hund unverhältnismäßig oder unbillig belasten würde, und das muss er selbst beweisen.
Das Merkblatt des Bundesarbeitsministeriums nennt „Hotels und Ferienwohnungen“ ausdrücklich unter den Orten, an die ein Assistenzhund mitdarf. Hier steht, was das für deinen Urlaub bedeutet, welcher Nachweis reicht und wie du mit Bahn und Flugzeug anreist. Und weil viele Vermieter unsicher sind, steht am Ende auch, worauf sich Gastgeber einstellen können.
Was das Zutrittsrecht bedeutet
Das Gesetz gilt für Behörden und für Private. Laut den Fragen und Antworten des Bundesarbeitsministeriums gilt es ausdrücklich auch im privaten Bereich, also für Eigentümer und Betreiber von Einrichtungen, die jeder betreten oder buchen kann. Gemeint sind Orte, zu denen man nach der Verkehrssitte ohne Ansehen der Person Zutritt bekommt. Ferienwohnungen zählt das Merkblatt ausdrücklich dazu. Eine Hausordnung mit „keine Hunde“ ändert daran nichts.
Die einzige Grenze ist eine unverhältnismäßige oder unbillige Belastung. Die Hürde ist hoch: Hygienische Bedenken sind bei Hotels und Restaurants laut dem Jahresbericht der Schlichtungsstelle BGG regelmäßig kein Ausschlussgrund. Auch Allergien anderer Gäste rechtfertigen nach der Gesetzesbegründung meist kein Verbot, weil sich das mit milderen Mitteln lösen lässt, etwa mit räumlicher oder zeitlicher Trennung. Eine Maulkorbpflicht für alle Hunde in der Hausordnung ist nach Auffassung der Schlichtungsstelle ebenfalls nicht mit dem Zutrittsrecht vereinbar.
Wie das im Hotel aussehen kann, zeigt ein Fall aus dem Jahresbericht 2021 der Schlichtungsstelle BGG, die Hotels ausdrücklich als mögliche Antragsgegner nennt. Ein Hotel bat eine blinde Urlauberin, mit ihrem Hund nicht im Restaurant zu essen, sie aß daraufhin allein im Zimmer. Nach dem Hinweis auf die Rechtslage sagte das Hotel zu, sein Personal zu schulen und den Hund im Restaurant zuzulassen.
Welche Hunde als Assistenzhund zählen
Ein Assistenzhund ist nach dem Gesetz speziell für den Bedarf eines Menschen mit Behinderung ausgebildet. Die Assistenzhundeverordnung unterscheidet Blindenführhunde, Mobilitätsassistenzhunde, Signalassistenzhunde für Menschen mit Hörbehinderung, Warn- und Anzeigehunde, etwa bei Epilepsie oder Diabetes, und Hunde für Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen. Die Rasse spielt keine Rolle.
Als Assistenzhund gilt ein Hund, der mit seinem Menschen als Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft geprüft und zertifiziert ist, oder den eine Krankenkasse oder ein anderer Träger als Hilfsmittel anerkannt hat. Auch Hunde mit Anerkennung aus dem Ausland können dazugehören. Hunde zur emotionalen Unterstützung ohne solche Anerkennung sind keine Assistenzhunde im Sinne des Gesetzes, Airlines wie Eurowings befördern sie zu den normalen Bedingungen für Tiere.
Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Seit 2024 hakt es bei der Zertifizierung. Die einzige Stelle, die Ausbildungsstätten zulassen konnte, hat ihre Akkreditierung zurückgegeben, und laut dem Bundesbehindertenbeauftragten konnten viele Menschen ihre Hunde seitdem nicht zertifizieren und anerkennen lassen. Eine Änderung des Gesetzes, die das lösen soll, liegt dem Bundestag vor, in Kraft ist sie laut Bundesarbeitsministerium noch nicht (Stand September 2026).
Nachweis und Kennzeichnung
Seit dem 1. Januar 2025 muss ein Assistenzhund, dessen Mensch das Zutrittsrecht nutzt, das offizielle Abzeichen tragen, sichtbar an Kenndecke, Geschirr oder Halsband. Alternativ reicht es, den Ausweis der Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft vorzuzeigen. Das regelt § 26 der Assistenzhundeverordnung. Bis Ende 2024 genügten auch andere Kennzeichen, etwa das weiße Führgeschirr, das gilt heute nicht mehr.
Mehr darf ein Hotel oder Gastgeber nicht verlangen. „Ein weiterer Nachweis ist nicht erforderlich“, schreibt das Bundesarbeitsministerium. Einen Schwerbehindertenausweis braucht es für die Kennzeichnung nicht, und welche Art Assistenzhund es ist, steht laut Ministerium weder auf dem Abzeichen noch auf dem Zertifikat. Der Ausweis hat das Format einer Bankkarte, ist zweisprachig auf Deutsch und Englisch und trägt die Chipnummer des Hundes. Ausgestellt werden Abzeichen und Ausweis vom Prüfer oder von der zuständigen Landesbehörde, in Bayern vom Zentrum Bayern Familie und Soziales in Würzburg.
Für jeden Assistenzhund muss außerdem eine Haftpflichtversicherung bestehen. Nach § 27 der Verordnung deckt sie mindestens 1 Million Euro ab, die Selbstbeteiligung liegt bei höchstens 500 Euro.
Hotel und Ferienwohnung: worauf du achten solltest
Auch wenn niemand dich ablehnen darf, lohnt ein kurzer Satz in der Anfrage, dass ein Assistenzhund mitkommt. Gerade in einer Ferienwohnung kann sich der Gastgeber dann vorbereiten, etwa mit einer Decke für den Liegeplatz oder einem Napf. Verlangen kann ein Betreiber eine Anmeldung laut Gesetzesbegründung vor allem dann, wenn organisatorisch etwas vorzubereiten ist. Freiwillig hilft sie in jedem Fall, und du erfährst vorab, ob es im Haus Besonderheiten gibt.
Bei den Kosten sind die Regeln weniger klar. Ob ein Hotel oder Vermieter für einen Assistenzhund die übliche Tiergebühr verlangen darf, sagt weder das Gesetz noch eine der Behörden. Kosten spielen dort nur an einer Stelle eine Rolle: Wären sie für den Betreiber unzumutbar hoch, kann das eine Ablehnung rechtfertigen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband betont, dass dabei die tatsächlichen Kosten zählen und keine Pauschalen. Frag deshalb vor der Buchung nach, ob eine Gebühr anfällt, dann gibt es später keine Überraschung.
Im Hotel darf der Hund nach Einschätzung des Blindenverbands überall mit, wo du in Straßenkleidung hindarfst, also in Lobby, Zimmer, Speiseraum und Bar. Schwimmbäder und Saunen dürfen laut Schlichtungsstelle ausgenommen werden. Einen Hund vor der Tür anzubinden, ist nach Einschätzung des Blindenverbands keine Lösung.
Wenn der Zutritt verweigert wird
Bleib zuerst ruhig und zeig Abzeichen oder Ausweis, oft hilft schon der Hinweis auf § 12e. Viele Absagen kommen aus Unwissen, nicht aus Absicht. Hilft das nicht, kannst du dich an die Schlichtungsstelle BGG wenden. Das Verfahren ist für alle Beteiligten kostenlos und geht nach § 16 BGG auch gegen private Hotels und Vermieter. Der Antrag geht online oder schriftlich, ein festgestellter Grad der Behinderung ist keine Voraussetzung. In der Regel ist das Verfahren nach drei Monaten abgeschlossen.
Daneben kann eine Absage eine Benachteiligung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sein. Das Gesetz kennt Ansprüche auf Unterlassung und eine Entschädigung, die innerhalb von zwei Monaten geltend gemacht werden müssen. Ob das im Einzelfall greift, klärt eine Beratung, zum Beispiel bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. In Österreich musste ein Hotel, das die Buchung einer Frau mit Assistenzhund abgelehnt hatte, laut einer Meldung des Sozialministeriums von 2025 nach einem rechtskräftigen Urteil 800 Euro Schadenersatz zahlen. Dort gilt allerdings ein eigenes Gesetz.
Anreise mit Bahn und Flugzeug
In der Bahn fahren gekennzeichnete Assistenzhunde und Blindenführhunde laut Deutscher Bahn immer kostenlos und müssen keinen Maulkorb tragen. Sie dürfen als einzige Hunde auch mit ins Bordrestaurant. Eine Ausnahme von der Leinenpflicht nennen die Beförderungsbedingungen nicht, und wie alle Hunde liegt der Hund vor, unter oder neben deinem Sitz.
Im Flugzeug gilt die EU-Verordnung für Flugreisende mit Behinderung. Anerkannte Begleithunde reisen danach ohne Aufpreis in der Kabine, vorbehaltlich nationaler Vorschriften, wenn du den Bedarf rechtzeitig meldest, in der Regel mindestens 48 Stunden vor Abflug. Die Airlines haben eigene Formulare und Nachweise. Eurowings nimmt Assistenzhunde kostenlos in der Kabine mit, der Hund wird mit einem Geschirr gesichert, ein Maulkorb gehört ins Handgepäck, und Plätze am Notausgang oder in der ersten Reihe sind dann nicht buchbar. Lufthansa befördert Assistenzhunde nach eigenen Angaben ebenfalls kostenlos und erkennt für Deutschland den Ausweis der Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft an. Prüfe die Bedingungen vor der Buchung, bei Anschlussflügen mit einer anderen Airline können andere Regeln gelten.
Das Zutrittsrecht aus § 12e gilt nur in Deutschland. Für Reisen ins Ausland verlangen Lufthansa und Eurowings auch bei Assistenzhunden Mikrochip, die nötigen Impfungen und den Heimtierausweis. Was dazu gehört, steht in unserem Ratgeber zum EU-Heimtierausweis. Ob ein Land den deutschen Ausweis anerkennt, fragst du am besten vorher bei der Unterkunft nach. Für die Fahrt mit dem eigenen Auto lohnt der Ratgeber Hund im Auto transportieren.
Für Gastgeber: so bist du vorbereitet
Wenn du eine Ferienwohnung vermietest, kann jederzeit eine Anfrage mit Assistenzhund kommen, auch wenn du sonst keine Hunde aufnimmst. Das ist kein Grund zur Sorge. Assistenzhunde sind speziell ausgebildet, und für jeden muss eine Haftpflichtversicherung bestehen. Du darfst das Abzeichen sehen oder dir den Ausweis zeigen lassen. Mehr musst du nicht wissen, und nach der Behinderung musst du nicht fragen.
Plane nach der Abreise eine gründliche Reinigung ein, wie nach jedem Hund, damit die nächsten Gäste auch mit Allergie gut schlafen. Wenn du unsicher bist, ob in deinem Fall eine Ausnahme gilt, sprich vor einer Absage mit einer Beratungsstelle, denn die Beweislast liegt bei dir. Und wenn du nach diesem Artikel Lust hast, auch andere Gäste mit Tier aufzunehmen: Bei uns kannst du deine Unterkunft kostenlos eintragen.
Häufige Fragen
Darf ein Hotel einen Assistenzhund ablehnen? Nur bei einer unverhältnismäßigen Belastung, und das muss das Hotel beweisen. Hygiene oder ein allgemeines Hundeverbot reichen nicht.
Gilt das Zutrittsrecht auch für Ferienwohnungen? Ja. Das Merkblatt des Bundesarbeitsministeriums nennt Hotels und Ferienwohnungen ausdrücklich.
Welchen Nachweis braucht mein Assistenzhund? Das offizielle Abzeichen, sichtbar am Hund, oder den Ausweis der Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft. Ein weiterer Nachweis ist nicht erforderlich.
Muss ich für meinen Assistenzhund eine Tiergebühr zahlen? Das regelt das Gesetz nicht ausdrücklich. Frag vor der Buchung nach, ob eine Gebühr anfällt.
Fährt ein Assistenzhund in der Bahn kostenlos mit? Ja, gekennzeichnete Assistenzhunde und Blindenführhunde fahren bei der Deutschen Bahn kostenlos und ohne Maulkorb.
Was mache ich, wenn mir der Zutritt verweigert wird? Zeig Abzeichen oder Ausweis und verweise auf § 12e BGG. Hilft das nicht, stellst du einen kostenlosen Antrag bei der Schlichtungsstelle BGG.
Unterkünfte für deinen Urlaub
Bei den Ferienwohnungen und Ferienhäusern für den Urlaub mit Hund siehst du vor der Buchung, welche Gastgeber Hunde ausdrücklich willkommen heißen, und kannst direkt nachfragen. Was sonst noch in den Koffer gehört, steht in unserer Packliste für den Urlaub mit Hund.
Daniel ist Gründer von Urlaub mit Tieren und betreibt selbst zwei tierfreundliche Ferienunterkünfte bei Würzburg, das Ferienhaus „zum Goldschmied" und die Ferienwohnung „Heimatgefühl". Er schreibt hier aus echter Gastgeber-Erfahrung: von der Napfstation bis zum eingezäunten Garten.
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