Wandern mit Hund: So wird die Tour für euch beide gut
Eine Wanderung mit Hund gelingt, wenn drei Dinge stimmen: Dein Hund ist die Strecke gewohnt, du hast genug Wasser dabei, und du weißt, wo er an die Leine muss. Die meisten Probleme unterwegs entstehen nicht am steilen Hang, sondern bei Hitze, auf der Kuhweide und in Schutzgebieten mit Leinenpflicht.
Hier steht, was Nationalparkverwaltungen, der Deutsche Alpenverein, der Deutsche Wanderverband und Tierärzte dazu sagen. Wo sich ihre Empfehlungen unterscheiden, schreiben wir das dazu.
Ist dein Hund fit für die Tour?
Wie weit ein Hund wandern kann, lässt sich nicht in Kilometern sagen. Eine feste Zahl nennen weder Tierärzte noch Alpenvereine. Der Deutsche Alpenverein rät, Strecke und Höhenmeter langsam zu steigern, und die Veterinärmedizinische Universität Wien empfiehlt, mit einem leichten Weg zu beginnen. Nicht jeder Hund ist für lange, anstrengende Touren gebaut, und das merkt man am besten auf kurzen Probetouren vor dem Urlaub.
Junge Hunde brauchen besondere Rücksicht, weil Knochen und Gelenke noch wachsen. Der Deutsche Wanderverband empfiehlt für längere Wanderungen ein Mindestalter von einem Jahr, bei großen Rassen von eineinhalb Jahren. Eine tierärztliche Stelle, die ein festes Alter nennt, haben wir nicht gefunden. Bei älteren Hunden oder wenn du unsicher bist, rät der Wanderverband, den Hund vorher in der Tierarztpraxis untersuchen zu lassen.
Die größte Grenze ist oft das Wetter. Laut der Tierärztlichen Hochschule Hannover kann sich ein Hund schon bei mehr als 28 Grad nicht mehr ausreichend durch Hecheln abkühlen. Kurzköpfige Rassen wie Mops und Bulldogge, ältere, übergewichtige und dicht behaarte Hunde sind besonders gefährdet. Starte im Sommer deshalb früh am Morgen und plane lieber eine kürzere Runde.
Was in den Rucksack gehört
Die Packlisten von Wanderverband, Alpenverein und Vetmeduni ähneln sich stark. Beim Wasser gehen sie auseinander: Der Alpenverein nennt etwa einen Liter, die Vetmeduni Wien mindestens ein bis zwei Liter und an heißen Tagen mehr. Wir halten uns an die tierärztliche Angabe. Biete deinem Hund laut Vetmeduni mindestens alle 30 Minuten Wasser an, auch wenn er nicht danach fragt.
- ein gut sitzendes Geschirr mit Griff am Rücken, dazu Halsband, Leine und eine Ersatzleine
- Wasser und ein faltbarer Napf
- Kotbeutel, bei längeren Touren Futter und eine leichte Decke für die Pause
- ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Desinfektionsspray, Verbandszeug, Zeckenzange und Pinzette
- Hundeschuhe, aber nur, wenn dein Hund sie schon kennt
- ein Maulkorb, wenn ihr Bahn oder Seilbahn nehmt
Einen Teil kann dein Hund selbst tragen. Wanderverband und Alpenverein nennen als Obergrenze 20 Prozent seines Körpergewichts, sofern nichts gesundheitlich dagegen spricht. Den Hunderucksack sollte er vor der Tour zu Hause kennenlernen, sonst wird die erste Wanderung zur Übungsstunde.
Leine: was unterwegs gilt
Ein Bundesgesetz, das beim Wandern eine Leine vorschreibt, gibt es nicht. Das Bundesnaturschutzgesetz und das Bundeswaldgesetz erlauben allen, Landschaft und Wald zur Erholung zu betreten, und überlassen die Einzelheiten den Ländern. Die Regeln kommen deshalb von Ländern, Gemeinden und Schutzgebieten, und sie unterscheiden sich spürbar. In vielen Ländern gilt im Frühjahr zusätzlich eine Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit. Was in deinem Urlaubsland gilt, steht in unserer Übersicht zur Leinenpflicht für Hunde.
In Nationalparks ist die Leine fast immer Pflicht. Im Nationalpark Harz müssen Hunde stets an der Leine geführt werden, weil jagende Hunde Wildtiere gefährden und bei einer Begegnung mit Luchs oder Wildschwein selbst in Gefahr geraten. In der Sächsischen Schweiz gilt dasselbe, ebenso im Nationalpark Berchtesgaden. Der Nationalpark Bayerischer Wald formuliert es etwas anders: Frei laufen lassen ist verboten, an die Leine gehört jeder Hund, der nicht zuverlässig bei Fuß geht.
Auch außerhalb von Schutzgebieten lohnt die Leine auf Wanderwegen. Wildtiere liegen oft gut getarnt direkt neben dem Weg, und ein Hund, der unbeobachtet ins Unterholz läuft, kann sie aufscheuchen. Wer wild lebende Tiere mutwillig beunruhigt, verstößt nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz gegen das Gesetz.
Kühe auf der Weide
Die gefährlichste Begegnung auf einer Wanderung ist selten ein anderer Hund, sondern eine Mutterkuh. Kühe mit Kälbern verteidigen ihren Nachwuchs, und ein Hund wirkt auf sie wie ein Angreifer. Alle Stellen, die wir gelesen haben, vom Deutschen Alpenverein über das bayerische Landwirtschaftsamt in Holzkirchen bis zur österreichischen Initiative Sichere Almen, geben dieselben Regeln.
Führe deinen Hund an der kurzen Leine und umgehe die Herde in einem großen Bogen. Stehen Kühe am oder auf dem Weg, nennt der Alpenverein 20 bis 50 Meter Abstand. Bleib ruhig, schau die Tiere nicht fest an und kehre ihnen nicht den Rücken zu. Warnzeichen sind laut Alpenverein ein gesenkter Kopf, Scharren, Brüllen oder Schnauben.
Kommt es trotzdem zum Angriff, gilt eine Regel, die viele überrascht: Lass die Leine los. Dein Hund ist schneller als du und kann flüchten, und die Kuh folgt meist ihm und nicht dir. Alpenverein, Sichere Almen und Vetmeduni Wien sagen das übereinstimmend. Verlass danach die Weide zügig, aber ohne zu rennen.
Wasser, Pfoten und Zecken
Pfoten leiden auf Wanderungen an zwei Stellen: auf heißem Asphalt und auf spitzem Geröll. Die Bundestierärztekammer warnt, dass Asphalt sich stark aufheizt und die Wärme lange hält, Verbrennungen sind möglich. Die Tierärztliche Hochschule Hannover empfiehlt einen einfachen Test: Handrücken sieben Sekunden auf den Boden legen. Ist es für die Hand zu heiß, ist es auch für die Pfoten zu heiß. Schau dir in den Pausen die Ballen an, gerade auf steinigen Wegen.
Nach jeder Tour gehört der Hund auf Zecken abgesucht. Die tierärztliche Fachgesellschaft ESCCAP betont aber, dass das Absuchen allein nicht reicht, weil angeheftete Zecken oft erst spät auffallen. Hunde, die viel draußen sind, brauchen ganzjährig einen wirksamen Zeckenschutz. Welches Mittel passt, klärst du am besten vor dem Urlaub in deiner Tierarztpraxis.
Hechelt dein Hund stark, taumelt, erbricht oder wirkt teilnahmslos, kann das ein Hitzschlag sein. Die Bundestierärztekammer nennt ihn immer einen Notfall: Kühle deinen Hund und fahr in eine Tierarztpraxis, auch wenn es ihm scheinbar wieder besser geht.
Mit Hund auf die Hütte, in die Bahn und die Seilbahn
Viele Wanderungen beginnen am Bahnhof. In Zügen der Deutschen Bahn fahren kleine Tiere bis zur Größe einer Hauskatze kostenlos mit, wenn sie in einer geschlossenen Box wie Handgepäck reisen. Größere Hunde brauchen laut Beförderungsbedingungen eine Leine und einen passenden Maulkorb. Im Fernverkehr zahlen sie den halben Flexpreis oder Sparpreis, eine BahnCard gilt dafür nicht, und einen Sitzplatz kannst du für den Hund nicht reservieren. Mit dem Deutschlandticket fährt ein größerer Hund nicht kostenlos mit, im Nahverkehr gelten die Regeln des jeweiligen Verbunds.
Auf Hütten des Alpenvereins sind Haustiere laut Hüttenordnung in allen Schlafräumen verboten, außer die Hütte hat einen eigenen Hunderaum. Ob und wo dein Hund übernachten darf, entscheidet jede Hütte selbst, deshalb vorher anrufen. Für Seilbahnen gibt es keine einheitliche Regel. Frag vorab beim Betreiber nach, manche verlangen einen Maulkorb.
Unsere Hausrunden bei Würzburg
Wir vermieten selbst zwei Unterkünfte in Maidbronn bei Würzburg, und dort sehen wir jede Woche, was Hundegäste im Urlaub wirklich laufen. Die meisten starten ohne Auto. Die kurze Runde führt in wenigen Minuten an die Pleichach, wo die Hunde ins flache Wasser können. Die längste Runde ab der Haustür ist knapp vier Kilometer lang, verläuft größtenteils flach am Bach entlang bis zur Veitsmühle bei Rimpar und hat auf dem Stück am Ufer Schatten. An den Fischweihern im Ort nehmen wir die Hunde an die Leine, weil dort Wasservögel brüten.
Für einen ganzen Wandertag fahren unsere Gäste wenige Minuten in den Gramschatzer Wald. Dort gibt es 16 markierte Rundwege, viel Schatten und Bäche zum Trinken, und im Waldhaus Einsiedel kehren Gäste mit Hund ein. Das ist genau die Art Tour, die wir oben für heiße Tage empfehlen. Unterkünfte in der Gegend findest du unter Urlaub mit Hund in Franken.
Häufige Fragen
Wie weit kann mein Hund wandern? Eine feste Kilometerzahl nennen weder Tierärzte noch Alpenvereine. Beginne mit kurzen, leichten Touren und steigere Strecke und Höhenmeter langsam. Wie viel dein Hund schafft, hängt von Alter, Rasse, Training und Wetter ab.
Ab welchem Alter darf mein Hund mitwandern? Der Deutsche Wanderverband empfiehlt für längere Touren mindestens ein Jahr, bei großen Rassen eineinhalb Jahre, weil die Gelenke noch wachsen. Eine tierärztliche Altersgrenze haben wir nicht gefunden, frag im Zweifel in deiner Tierarztpraxis.
Muss mein Hund beim Wandern an die Leine? Eine bundesweite Regel gibt es nicht. In Nationalparks ist die Leine fast immer Pflicht, dazu kommen Regeln der Länder und Gemeinden und im Frühjahr die Brut- und Setzzeit. Auf Kuhweiden gehört der Hund immer an die kurze Leine.
Was mache ich, wenn Kühe auf uns zukommen? Ruhig bleiben, den Tieren nicht den Rücken zukehren und die Weide zügig verlassen. Greift eine Kuh an, lass die Leine los, damit dein Hund flüchten kann.
Wie viel Wasser braucht mein Hund beim Wandern? Die Veterinärmedizinische Universität Wien empfiehlt mindestens ein bis zwei Liter, an heißen Tagen mehr, und Wasser mindestens alle 30 Minuten.
Nach der Tour
Nach einem langen Tag draußen zählt ein Ort, an dem dein Hund wirklich willkommen ist. Bei den Ferienwohnungen und Ferienhäusern für den Urlaub mit Hund siehst du vor der Buchung, wie viele Hunde mitdürfen und was sie kosten. Was sonst noch mitmuss, steht in unserer Packliste für den Urlaub mit Hund, und für die Fahrt zum Ausgangspunkt lohnt der Ratgeber Hund im Auto transportieren. Was ins Erste-Hilfe-Set gehört, steht in der Reiseapotheke für den Hund.
Daniel ist Gründer von Urlaub mit Tieren und betreibt selbst zwei tierfreundliche Ferienunterkünfte bei Würzburg, das Ferienhaus „zum Goldschmied" und die Ferienwohnung „Heimatgefühl". Er schreibt hier aus echter Gastgeber-Erfahrung: von der Napfstation bis zum eingezäunten Garten.
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